Mein Urlaub – Mein Leben I Erika Thieme

Im letzten Sommer habe ich Neuland betreten:

Ich war zum ersten Mal alleine im Urlaub. Ich wĂŒnschte mir Zeit zum Nachdenken, um mir neue Ziele zu stecken. Ziele, die mein Herz berĂŒhrten, die ich mit Leidenschaft verfolgen wĂŒrde.

Meine Wahl fiel auf ein sĂŒĂŸes kleines Hotel in Norditalien, das gefĂŒhrte Wanderungen in die umliegende Bergregion anbot. Diese sollten sich, so war es versprochen, vom Schwierigkeitsgrad her jeden Tag etwas steigern.

Ich legte die Strecke mit dem Auto zurĂŒck, besuchte unterwegs gute Freunde und kam fröhlich und wohlbehalten an meinem Ziel an.

Nachdem ich meinen Wagen ausgerÀumt hatte, erkundigte ich mich nochmals nach den Wanderungen.

„Die erste Wanderung ist ganz leicht“, teilte mir der Hotelmanager mit. „Sie dauert drei oder vier Stunden, und es sind viele Pausen eingeplant.

Ideal, um erste Erfahrungen im Gebirge zu sammeln.“

Ich schrieb mich also in der Teilnehmerliste ein und erwartete den nÀchsten Tag mit Spannung.

 

Am nĂ€chsten Morgen wurde ich mit drei anderen GĂ€sten von einem Kleinbus abgeholt und zum Treffpunkt mit dem BergfĂŒhrer gefahren.

Meine Mitwanderer waren mir sehr sympathisch

und auch alles AnfÀnger wie ich.

 

Am Treffpunkt angekommen lernten wir den BergfĂŒhrer kennen. Dieser erkundigte sich nach unserer Vorerfahrungen bezĂŒglich des Wanderns und teilte uns mit, dass wir erst einmal ein StĂŒck miteinander laufen wĂŒrden, damit er sehen könne, wie gut unsere Kondition sei.

 

Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir los. Nach etwa eineinhalb Stunden machten wir eine kurze Pause.

„Ihr seid ja alle topfit“, verkĂŒndete der BergfĂŒhrer. „Das Wetter passt auch. Wir können also eine viel interessantere Route gehen als die ursprĂŒngliche.“

Wir freuten uns, das zu hören, und nach 5 Minuten Pause ging es weiter. Mir ging es prÀchtig und die Landschaft war einfach herrlich.

 

Die Wege, die wir liefen, wĂ€re ich niemals alleine gelaufen. Meistens gingen wir recht schmale Trampelpfade entlang und kletterten ĂŒber Felsen.

Langsam jedoch merkte ich, dass ich aus der Puste kam. Das Tempo war auf die Dauer fĂŒr mich zu schnell, die Pausen viel zu selten.

 

Meine FĂŒĂŸe machten mir Schwierigkeiten, ich spĂŒrte, wie sich Blasen bildeten. Eigentlich hĂ€tte ich dringend eine lange Pause benötigt, doch mir war es unangenehm, die anderen aufzuhalten. Also lief ich weiter. Die Landschaft war wirklich fantastisch, aber ich hatte gar keine Zeit, sie zu genießen.

Meine neugewonnenen Freunde warteten auf mich. Sie ließen mich direkt hinter dem WanderfĂŒhrer laufen. Sie teilten ihm mit, dass wir eine Pause brauchen, doch er winkte ab: „SpĂ€ter“, sagte er. „Es gibt einen Rastplatz weiter oben.“

Meine FĂŒĂŸe rebellierten. Eigentlich hĂ€tte ich mich hinsetzen mĂŒssen und streiken. Ich hĂ€tte eine Zwangspause einlegen mĂŒssen.

 

Ich spielte mit diesem Gedanken, setzte ihn aber aus Scham, schlapp zu machen, nicht in die Tat um. Ich wanderte weiter.

 

Wir wanderten fast acht Stunden statt der angekĂŒndigten vier und bewĂ€ltigten 600 Höhenmeter statt nur 100 wie geplant. FĂŒr eine blutige AnfĂ€ngerin wie mich war das eindeutig zu viel.

 

Ich treibe viel Sport, bewege mich aber so gut wie nie im Gebirge und diese Tour in diesem Tempo war eindeutig zu viel fĂŒr mich. Die Zeit zum Nachdenken, fĂŒr die ich nach Italien gefahren war, hatte ich auf dieser Wanderung nicht gefunden.

 

Ich habe nicht fĂŒr mich und meinem Körper gesorgt. Habe nicht Nein gesagt und stattdessen brav mitgemacht.

 

Wie hÀufig geschieht genau das in unserem Leben?

Wie hÀufig verbiegen wir uns, um anderen Menschen zu gefallen, um nicht aufzufallen, um anderen Menschen die Freude nicht zu verderben?

Dabei verlieren wir zu oft, und ganz ohne es zu bemerken, unsere eigenen WĂŒnsche und Ziele aus den Augen. Wir funktionieren in unserem Alltag und vergessen uns dabei.

 

Das Ergebnis der Wanderung war fĂŒr mich: mehrere Blasen an den FĂŒĂŸen und zwei blutig unterlaufende ZehnĂ€gel, die nach einiger Zeit abfielen. Mit den SpĂ€tfolgen habe ich noch heute zu tun.

Und ich muss mich fragen, ob dieser Preis, den ich dafĂŒr gezahlt habe, wirklich die Sache wert war? War es das wert, die Starke zu spielen?

Ganz klar lautet die Antwort: Nein.

 

Im Leben zahlen wir hĂ€ufig einen Preis fĂŒrs Mitmachen, dafĂŒr, nicht aufzufallen. Und manchmal verlieren wir da durch mehr als nur ein paar ZehennĂ€gel.

 

Wie hĂ€ufig reiben wir uns wie ein Radiergummi fĂŒr die Ziele anderer Menschen auf?

Die Menschen, die davon profitieren, bemerken unsere Opfer hĂ€ufig ĂŒberhaupt nicht.

Mehr noch, unsere Kompromisse, unsere Anpassung werden als selbstverstÀndlich hingenommen.

 

Ein Dankeschön oder WertschÀtzung bekommen wir in der Regel nicht.

 

 

Weitere Wanderungen konnte ich diesen Urlaub nicht mehr durchfĂŒhren. Jetzt war nur noch Wellness angesagt.

 

Mir hat dieses Ergebnis auf jeden Fall klargemacht, dass ich mich und meine eigenen BedĂŒrfnisse nicht vernachlĂ€ssigen darf, und dass ich ZugestĂ€ndnisse nur fĂŒr die Menschen mache, die mir wirklich am Herzen liegen und die meine Leistung auch zu wĂŒrdigen wissen und das Gleiche auch fĂŒr mich tun, falls nötig.

 

Denn wenn ich nicht fĂŒr mich selbst sorge, tut es in der Regel niemand.

 

Vielleicht hilft dir diese Geschichte  dabei, dein Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Wobei verbiegst du dich?

Was möchtest du anders haben?

Was tut dir gut und was solltest du in Zukunft lieber verÀndern?

 

Die Jahreswende ist eine wunderbare Zeit dafĂŒr, Bilanz zu ziehen und sich neue Ziele zu setzen. Eventuell einen Kurswechsel vorzunehmen.

Ich wĂŒnsche dir auf jeden Fall, dass du deine Ziele weiter im Blick behĂ€ltst und du ein Leben fĂŒhrst, das dir entspricht, und nicht das Leben eines anderen.

 

Falls Du noch Fragen hast, schreibe mir doch einfach eine Email: info@erika-thieme.de

Ich freue mich ĂŒber Deine Nachricht!

 

Herzliche GrĂŒĂŸe

Erika Thieme

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