Hast du Angst?

Wir können unser Leben nur in vollen Zügen genießen, wenn wir uns frei und sicher fühlen. Nur dann können wir experimentierfreudig sein und uns auf neue Erfahrungen einlassen.

Doch die Realität sieht bei vielen von uns anders aus.

Viele Menschen fürchten sich. Laut der Zeitschrift „Der niedergelassene Arzt“ (Ausgabe 11/2015) leiden über 12 Millionen Deutsche unter einer Angststörung. Diese Zahl empfinde ich als richtig angsteinflößend. Befragt man Experten zu diesem Thema, betonen diese gerne, wie hilfreich Ängste sein können, indem sie eine Warn- oder Schutzfunktion einnehmen. Doch oft genug verselbständigt sich die Angst und beeinträchtigt die Lebensqualität immer mehr. Und Ängste sind oft Rudeltiere: Wo eine unbehandelt bleibt, kommen immer mehr hinzu und machen das Leben der betroffenen Person immer anstrengender und unangenehmer.

Menschen haben vor ganz unterschiedlichen Dingen Angst: vor dem Versagen, vor öffentlicher Blamage, dem Abrutschen der Aktienkurse, vor Höhe, Blut, Spinnen oder Treppenhäusern. 

Weit verbreitet ist auch die Angst, vor Publikum zu sprechen, oder die Prüfungsangst. 

Wer darunter leidet, kann sich noch so gut auf eine Prüfung vorbereiten – wenn der Augenblick gekommen ist, ist der Kopf leer, alle Antworten weg, nichts geht mehr.

Ängste fühlt man in der Regel nur, wenn man sich ausgeliefert und hilflos fühlt. 

Der Atem geht dann schneller, dass Herz pocht wie wild und der Blutdruck steigt. Vor lauter Stress kann man keinen klaren Gedanken mehr fassen. Manch einer fängt sogar an zu hyperventilieren und eine Ohnmacht, im wahrsten Sinne des Wortes, bricht über einen herein. Der Stresspegel steigt in Unermessliche.

Wenn wir Angst verspüren, spannen wir all unsere Muskeln an. Der Körper schaltet in den Fluchtmodus und bereitet sich darauf vor, vor der Gefahr zu fliehen – ein Sprint ist angesagt, Nachdenken ist nur hinderlich.

Deshalb wird unser Kopf so leer. Die Endstation ist oft eine ausgewachsene Panikattacke, die im Nachhinein die Angst nur noch verstärkt.

Dass Stress uns auf Dauer krank macht, wissen wir alle. 

Dennoch leben viele Menschen dauerhaft mit ihren Ängsten – oder besser, um sie herum – indem sie versuchen, die angstauslösende Situation zu vermeiden. Diese Vermeidungshaltung wird oft genug mit einer Lösung des Problems verwechselt. 

Manchmal genügt sie – wer in unseren Breiten panische Angst vor Eisbären hat, braucht nur nicht in den Zoo zu gehen. Solche vermeidbaren Ängste werden aber auch meist nicht als quälend oder einschränkend empfunden. Wer panische Angst vor Hunden hat, erzählt hier schon eine ganz andere Geschichte.

Was kann du tun, wenn du zu der Gruppe der Angstgeplagten gehörst?

Erst einmal solltest du dich deiner Angst stellen und dir bewusst machen, was genau dich so ängstigt. Sind es nur Schlangen oder alles, was sich windet? Kannst du große Höhe im Inneren eines Gebäudes gut aushalten und fühlst dich nur auf einem Balkon oder einem Turm unwohl?

Im nächsten Schritt mach dir klar, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn deine Angst-Situation eintritt. Mach dir rational klar, wie groß die Wahrscheinlichkeit dazu ist. In vielen Fällen ist die nicht sonderlich hoch, und das befreit dich ein Stück weit in deinem Alltag.

Anschließend solltest du dir überlegen, was der Auslöser für die Angst sein könnte. Ein Erlebnis in früheren Zeiten? Vielleicht fällt dir nicht sofort etwas ein. Lass dir Zeit bei dieser Überlegung. Oftmals liegen die Trigger viele Jahre oder gar Jahrzehnte zurück.

Ein Beispiel aus meiner Praxis.

Vor vielen Jahren suchte mich eine junge Klientin auf. Sie litt extrem unter Prüfungsängsten. Als ich alles gehört hatte, machte ich mich mit ihr an die Arbeit, dieses Problem aus der Welt zu schaffen. 

Dabei stellte sich heraus, dass sie in der Grundschule ein kleines Referat vor der gesamten Klasse halten musste. Sie versuchte es damals, aber die damalige Lehrerin lachte sie aus und meinte, sie würde nie gute Referate halten können, so schlecht sei ihre Darbietung gewesen. 

Meine Klientin fühlte sich damals vor der ganzen Klasse bloßgestellt und schämte sich fürchterlich. 

Wir stellten fest, dass diese Situation für sie traumatisch war und sie seither immer stärkere Ängste entwickelt hatte, öffentlich zu sprechen, geschweige denn geprüft zu werden. Dieses Trauma wurde nie aufgearbeitet und besprochen. Meine Klientin hat selbst nicht mehr an diese Situation gedacht.

Nachdem wir diese Situation aufgespürt und bearbeitet hatten, verschwand ihre Prüfungsangst vollkommen. Mittlerweile teilt sie sich sehr gerne in der Öffentlichkeit mit. 

Wenn du an dir und deinen Ängsten arbeiten möchtest, ist dieser Schritt, den Auslöser zu finden, sehr wichtig. Wenn du selbst nicht darauf kommen solltest, denn manchmal ist dies wirklich sehr schwer, hol dir fachliche Unterstützung. Sei es dir selbst und deinem Leben wert.

Im nächsten Schritt kannst du dir eine Atemübung aneignen. Du solltest sie regelmäßig durchführen, damit du in brenzligen und belastenden Situationen darauf zurückgreifen kannst. Sie funktioniert wie folgt: Atme ein und zähle langsam bis vier. Halte dann die Luft an und zähle wieder bis vier. Atme dann aus und zähle langsam bis vier. Das machst du vier Minuten lang. Die Übung senkt nachweislich den Puls und deine Stressparameter.

In vielen Fällen helfen diese einfachen Tricks schon, um der Angst den Schrecken zu nehmen. 

Hinter größeren Ängsten oder gar Panikattacken stehen aber oft schwer traumatisierende Situationen. 

Diese gehören in die Hände eines Fachmanns oder einer Fachfrau.

Vielleicht helfen dir meine Zeilen ja, deinen Ängsten auf den Grund zu gehen. Ich wünsche es dir sehr, denn ein Leben ohne einen schweren Rucksack voller Ängste ist einfach herrlich.

Ich wünsche dir eine angst- und stressfreie Zeit.

Viele liebe Grüße, 

Erika

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