Entschuldigung 

 

Wusstest du, das es in der Vietnamesischen Sprache kein Wort für „Entschuldigung“ gibt? Was erst mal erstaunlich klingt, ergibt bei näherer Betrachtung absolut Sinn. In Vietnam gilt die Philosophie, ganz im Hier und Jetzt zu leben und sich die Konsequenzen des eigenen Handelns ganz bewusst zu machen – denn ist der Schaden einmal angerichtet, kann kein Wort der Welt ihn einfach wieder kitten. Die Vietnamesen sehen also keinen Sinn in so einem Wort – man soll sich lieber bemühen, gar keinen Grund für eine Entschuldigung zu verursachen.

Das gilt für kleine Unaufmerksamkeiten im Alltag, aber natürlich auch für die großen Tragödien. Wenn ein Herz gebrochen wurde, bleibt trotz einer Entschuldigung immer eine Narbe zurück.

Das Herz ist dann nicht mehr so unversehrt wie zuvor.

Diese Tradition hat mich sehr bewegt und zum Grübeln gebracht: Habe ich in der Vergangenheit anderen Menschen leichtfertig geschadet? Natürlich nicht!

Ich gehe mit Menschen so behutsam um, wie es mir nur möglich ist. Dennoch werde ich mit Sicherheit die eine oder andere Person unabsichtlich verletzt haben. Denn bei aller Vorsicht kann niemand immer abmessen, welche Bedeutung das eigene Verhalten bei der anderen Person hat. Womöglich berühre ich einen wunden Punkt bei meinem gegenüber und merke es nicht einmal. Ich frage mich,  wenn ich mich dann entschuldigt habe – wurde dadurch der Schaden behoben? Wurde ich wirklich ent-schuldigt, also von meiner Schuld befreit?

Wenn ich auf mein eigenes Leben blicke, stelle ich fest, dass auch ich nicht ohne Verletzungen geblieben bin. Menschen in meinem Umfeld haben gegen mich gearbeitet und versucht, mir Schaden zuzufügen. Menschen, die mein Vertrauen missbraucht haben. Sie alle haben sich zwar bei mir entschuldigt – doch sie haben ihr Verhalten nicht gebessert, ihre Muster nicht verändert. Sie haben mehrere Zehnerkarten mit Entschuldigungen bei mir gekauft, die sie nach und nach bei mir einlösten. Umso schneller ich verziehen habe, desto leichtfertiger haben sie beim nächsten Mal gegen meine Interessen verstoßen. Ganz nach dem Motto: Eine Entschuldigung wird’s ja bestimmt wieder richten.

Ab einen gewissen Punkt sollen wir uns fragen, ob wir solche Menschen noch in unserem Umfeld dulden? Oder wäre es besser sie aus unserem Leben herauszukatapultieren. Das hört sich erst einmal recht hart an. Ich denke, letzteres wäre auf jeden Fall gesünder!

Natürlich sind es nur die Extremfälle, die ganz Rücksichtslosen und Unbelehrbaren, die sich so verhalten. Aber man kann Tendenzen erkennen. Dauernde Entschuldigungen stressen den Körper und die Psyche und hinterlassen Spuren. Spuren der Trauer, der Enttäuschung, des Schmerzes durch die entgegengebrachten Respektlosigkeiten. Das alles stresst und bekommt uns nicht sonderlich gut.

 

Mich hat die Tradition aus Vietnam sehr nachdenklich gemacht. Mir fällt in diesem Zusammenhang das Wort Achtsamkeit ein. Achtsamkeit sich selbst und anderen Menschen gegenüber.

Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, achtsamer mit mir selber und natürlich auch mit anderen Menschen umzugehen. Am liebsten möchte ich gar nicht mehr in Situationen geraten, in denen ich mich entschuldigen muss. Wiederholungstäter werde ich in der Zukunft nicht mehr in meinem nahen Umfeld nicht dulden.

 

Vielleicht hat dich diese Tradition aus Vietnam genauso zum Nachdenken gebracht wie mich.

 

Ich wünsche Dir eine glückliche und entschuldigungsfreie Zeit.

 

Falls Du noch Fragen hast, schreibe mir doch einfach eine Email: info@erika-thieme.de

Ich freue mich über Deine Nachricht!

 

Herzliche Grüße

Erika Thieme

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