Aus für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft – und das schon in der Vorrunde!

Wer hätte das gedacht? 

 

Ein schwacher Trost, dass die deutsche Elf sich überhaupt für das Turnier qualifiziert hat, im Gegensatz zu den Holländern und Italienern.

 

Dennoch sitzt der Schock tief. Die Kamera zeigt traurige und enttäuschte Gesichter im Publikum und eine Nationalmannschaft, die vernichtend geschlagen vom Platz schleicht.

Manche flüchten sich gleich in die Kabine, manche kratzen noch ihre letzte Kraft zusammen und stellen sich der Presse.

Joachim Löw ist nach dem Abpfiff schnell verschwunden und steht erst später für die Fragen der Journalisten zur Verfügung.

Es wird nach den Gründen gefragt. Wie konnte das passieren? Warum hat die Mannschaft buchstäblich keinen Fuß auf den Boden bekommen?

Böse Zungen wollen auch schon den Bundestrainer in Rente schicken.

Ganz ehrlich. Ich bin im Allgemeinen nicht sonderlich fußballbegeistert. Dennoch habe ich mir die Spiele der deutschen Mannschaft angesehen – wie so viele werde auch ich alle vier Jahre zum Fußballfan, und sei es auch nur, um gemeinschaftlich den Grill anzuwerfen und beim Public Viewing zu jubeln – wenn es denn etwas zum Jubeln gibt.

 

Eine Profisportlerin erzählte mir vor Jahren, sie könne schon sagen, wer gewinnt, wenn die Mannschaften vor einem Fußballspiel Aufstellung nehmen. Sie macht dies an der Körperhaltung der Mannschaft fest. Ist sie stark, selbstbewusst, zielstrebig oder zögerlich, unsicher, fahrig? Auf jeden Fall ist sie immer eines: authentisch. Um nicht zu sagen, grottenehrlich.

 

Gerade wenn wir eine Herausforderung vor uns haben, fällt es uns unglaublich schwer, unsere Unsicherheiten zu überspielen. Wir senden Signale, ohne es zu merken – und das Interessante ist, dass unser Gegenüber diese Signale auffängt und für sich verwertet – ebenfalls ohne das zu merken.

 

Sind wir ängstlich und unsicher, verschaffen wir unserem Gegner im sportlichen Wettbewerb einen Vorteil, den dieser nutzt, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

Wir machen uns kaum eine Vorstellung davon, wozu unser Gehirn in der Lage ist.

Die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ berichtet von den Experimenten einer Gruppe von Forschern, die es geschafft haben, zwei Menschen sozusagen telepathisch miteinander kommunizieren zu lassen – über eine Entfernung von mehr als 8000 Kilometern hinweg. Das Verfahren hat nichts Übersinnliches oder Esoterisches, sondern basiert auf der Übertragung eines Binärcodes mittels Hirnströmen.

Um die „Schwingungen“ unseres Gegenübers aufzufangen, brauchen wir keinen Binärcode, und zum Glück funktioniert unser Gehirn auch sehr gut, ohne dass wir es in alle Einzelheiten ergründet haben – Überraschungen eingeschlossen. Den Artikel findest Du hier:

https://www.spektrum.de/news/forscher-realisieren-erste-hirn-zu-hirn-kommunikation/1307223

 

Glücklicherweise sind Nationalspieler sind auch nur Menschen. Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Vielleicht hat die südkoreanische Mannschaft von vorneherein gewusst, dass sich dieser Weltmeister besiegen lässt – und so ist es dann auch gekommen.

Während der letzten WM hat uns unsere Nationalmannschaft verwöhnt und uns ein Sommermärchen geliefert. Dieses Sommermärchen war einfach herrlich. Vielleicht hat der eine oder andere Spieler gedacht: So ein Märchen ist nicht so schnell wiederholbar. Zweimal hintereinander zu gewinnen ist unmöglich – das hat noch niemand geschafft. Solche Glaubenssätze sind Gift für den Erfolg. Gift für den Sieg. Wer sich innerlich auf die Niederlage programmiert, hat keine Chance, ihr zu entgehen.

Vielleicht hat das Team entsprechende Kommentare auch von Freunden, der Familie oder gar aus der Presse gehört und gelesen. Geschwächt durch die eigene negative innere Programmierung, hat dies den letzten Siegeswillen heimlich zerstört.

 

Du musst wissen, dass unsere Psyche und unsere mentale Stärke bis zu 80 Prozent darüber entscheiden, ob wir unser Ziel erreichen oder nicht. Alles was wir vermuten oder gar erwarten, ziehen wir magisch in unser Leben – das ist das Prinzip der selbst erfüllenden Prophezeiung. Ganz automatisch.

 

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Vorhaben scheitern wird, scheitert es höchstwahrscheinlich auch. Es sei denn das unser Gegner mental noch schwächer ist als wir.

 

Wenn wir damit rechnen, beim Zahnarzt Schmerzen zu verspüren, hat der beste Zahnarzt keine Chance, uns schmerzfrei zu behandeln.

 

Auch eine Fußball-Nationalmannschaft ist gegen die selbst erfüllende Prophezeiung nicht immun. Im Idealfall glaubt ausnahmslos jedes Teammitglied an den Erfolg, träumt den gleichen Traum und sieht sich schon als Sieger.

Trainiert hat die Mannschaft mit Sicherheit mehr als genug. Aber die mentale Stärke ließ meiner Meinung nach zu wünschen übrig.

Vorhandene Ängste hätten konsequent bearbeitet werden müssen.

Eine tägliche Neuprogrammierung hätte stattfinden müssen, um mit dem Druck, der in der Rolle des Titelverteidigers lag, besser umgehen zu können.

Denn alles, was wir in unserem Inneren glauben und denken, spiegelt sich im Außen wieder. So ist meiner Meinung nach das Aus der Nationalmannschaft erklärbar: Das Spiel wurde im Kopf verloren und nicht auf dem Rasen.

Ich wünsche der Nationalmannschaft einen guten und erfahren Coach, um diese Defizite aufzuarbeiten.

 

Ganz nach dem Motto: Auf zu neuen Zielen.

Liebe Grüße

Erika Thieme

 

 

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